Lügendetektor
Quelle: Wikipedia

Wer kennt den Lügendetektortest aus dem Fernsehen nicht, bei dem der Befragte solange vom Gerät mit Elektroschocks geschockt wird, bis er die Wahrheit sagt? Die verkabelten Probanden bei Lügendetektortests sollen bei einer Befragung immer die Wahrheit sagen und alle Fragen beantworten. Aber wie wird so ein Test durchgeführt? Zuerst einmal zu den Verkabelungen: Der Befragte wird an einen sogenannten Polygraphen, im Volksmund auch Lügendetektor genannt, angeschlossen. Dieser misst während des gesamten Versuchs, der Befragung oder des Verhörs Blutdruck, Plus, Zittern, Atmung, Höhe der Stimme und die elektrische Leitfähigkeit der Haut, die sich durch Schwitzen erhöht.

Die Gesamtheit dieser Werte bildet das sogenannte Aktivitätsniveau der Person ab. Dieses kann normal oder erhöht sein. Alle Messungen werden ähnlich einem Seismographen aufgezeichnet und können durch Aufnahmen von Video oder Ton später zu den Fragen zugeordnet werden. Nach der Befragung, also nicht wie im Fernsehen direkt nach jeder Antwort, werden die Werte dann analysiert. Für solche Analysen stehen verschiedene Methoden und Algorithmen zur Verfügung. In Deutschland und den USA wird die Auswertung meist von einem speziell geschulten Mitarbeiter oder einem Computer vorgenommen.

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Wie funktioniert die Auswertung von Lügendetektortests?

Die meisten Leute können die gemessenen Körpersignale nicht glaubwürdig willkürlich kontrollieren. Das Gehirn arbeitet selbständig und regelt alle gemessenen Signale je nach Aktivität, sonst müssten wir immer selbst entscheiden wie schnell unser Herz nun schlagen soll, was ziemlich gefährlich wäre, wenn wir schliefen. Deshalb werden während einer Befragung alle diese Körpersignale von einem Gerät, an den der Proband angeschlossen ist, mitgeschrieben. Später wertet eine trainierter Mitarbeiter, der normale und erhöhtes Aktivitätsniveau richtig deuten kann, die Aufzeichnungen aus. Damit dieser aber weiß welche Signale normal und welche erhöht oder zu niedrig sind, werden vor der eigentlichen Befragung Kontrollfragen gestellt. So wird das normale Aktivitätsniveau beim Befragten festgestellt. Die aufgezeichneten Werte des Polygraphen müssen immer mit den normalen Werten verglichen und interpretiert werden können.




Nehmen wir einmal an ein Mensch gerät wegen früherer, schlechter Erfahrungen in einem bestimmten Sachverhalt in einem Lügendetektortest in ein erhöhtes Aktivitätsniveau. Zum Beispiel: Holger B. aus Österreich hat wenig Erfahrungen mit dem Umgang im Internet und kennt die meisten Begriffe nur aus dem Fernsehen, die dort eventuell nicht wahrheitsgetreu abgebildet wurden. Nun wird er genau zu diesem Thema befragt und hat Angst, dass Cookies, Textzeilen, die nur auf dem eigenen Rechner gespeichert werden, ihn schon im Voraus verraten haben könnten. Da Sein Sohn den gemeinsamen Computer nutzt und sich bei Google, Gmail und Youtube anmelden wollte und sich auch schnell mit den Nutzungsbedingungen einverstanden erklärt hat, hat der Befragte nun Stress, wegen der Videos, die sein Sohn vielleicht geladen haben könnte. Er ist kein Dipl. Ing. und hat auch sonst von Technik nicht viel Ahnung, deswegen erhöht sich allein durch seine Reaktionen auf die Frage sein Aktivitätsniveau. Völlig unabhängig von der Frage ist ihm das Internet mit dieser Startseite und den Leutz, die es benutzen sehr suspekt.

Auf der Suche nach der Wahrheit könnte ein Auswertender von so aufgezeichneten Reaktionen in die Irre geführt werden, weil er die Reaktion auf die Fragen bezieht und nicht auf das Sachgebiet an sich. Um hier ein gutes Ergebnis zu erhalten müsste der Auswertende den Befragten besser kennen. Um so ein Missverständnis zu umgehen gibt es Hilfe: Zu Anfang werden dem Probanden Probefragen gestellt, die solche Reaktionen schon andeuten würden, damit es später keine Fehlauswertungen gibt. Vor anderen Fehlern, ist man allerdings nicht geschützt.

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Wie aussagekräftig ist ein Lügendetektortest?

Mit Lügendetektortest möchte man gern mehr aus einem Menschen herausbekommen, als dieser zugeben will. Dem Befragten „in den Kopf schauen“ ist das Ziel. Wird das Aktivitätsniveau richtig gedeutet und wurden Veränderungen allein durch die Fragen erzeugt, steht einer korrekten Analyse eigentlich nichts mehr im Wege. Für Neugierige Vorgesetzte und Gerichte in den USA werden Lügendetektortest von verschiedenen Unternehmen angeboten. Dort können dann Bewerber oder Angestellte auf bestimmte Themen und konkrete Sachverhalte hin untersucht werden. Ob und wie viel Lügendetektortest über das zukünftige Verhalten wie Loyalität oder Korruption aussagen können, ist von Person zu Person abhängig. Auch können ungenügende Vorstellungskraft des Probanden oder der Wille dazu immer das richtige zu sagen, um besser abzuschneiden das Ergebnis verfälschen.

Zudem können sich Meinungen der Menschen schnell ändern. Wenn heute die Aussage „Ich werde alle Anweisungen meines Chefs befolgen“ noch wahr ist, der Chef morgen aber durch einen Skandal unglaubwürdig wird, muss der Mitarbeiter vielleicht abwägen in wie fern diese Aussage noch zutrifft, wenn er seinen Job behalten möchte und sich eventuell im Unternehmen neu orientieren muss.
Anders herum kann Verhalten in der Vergangenheit nicht immer auf erneutes Wiederholen hindeuten. Menschen lernen aus ihren Fehlern. Und wer sich mit einem Hammer schon einmal böse auf den Daumen geschlagen hat, wird in Zukunft vielleicht keinen Hammer mehr in die Hand nehmen oder nur noch ganz vorsichtig hämmern oder statt den Fingern einen Abstandhalter aus Plastik benutzen. Was aus den Fragen, Antworten und das Aktivitätsniveau beim Antworten geschlussfolgert werden kann, ist also sehr von dem Befragten abhängig. Welche Parameter welche Informationen im Verfahren offenbaren, muss genau erörtert werden, wobei es für Polizei und Gericht bestimmte Richtlinien gibt. Die besten Lügen sind insbesondere für die Psychologie interessant, mittels deren Ergebnisse besonders Werbung für Beauty Produkte in vielen Jahren gemacht wird, die sich auch einmal einem Lügendetektortest unterziehen dürften.

Wann es sich um ungerechtfertigte Beschuldigungen handelt oder der Kontakt vielleicht nur eine schlechte Gesundheit vorzuweisen hat, muss immer individuell gehört werden. Einen Kommentar oder eine FAQ suchen die Befragten vorab vergeblich, könnten sie aber gut verwenden um den Test wiederum zu verfälschen. Aus diesem Grunde veröffentlichen Firmen, die diese Tests durchführen selten korrekte Angaben über ihre Verfahren.

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Wo kommen Lügendetektortest zur Anwendung?

Lügendetektortests scheinen wie gemacht zu sein um einen konkreten Sachverhalt abzufragen. Hat man den Verdächtigen befragt und den Test ausgewertet, kommt man zum Beispiel bei einem Diebstahl schnell zu seinem Recht. Jedenfalls ist das in Amerika der Fall, aber es müssen natürlich noch weitere Beweise sicher gestellt werden. Auch bei Bewerbungen oder Eignungstests in Amerika werden Bewerber oft zu Tests geschickt, wo im Labor an den Polygraph angeschlossen, befragt, Werte gemessen und mit einer Methode vom „Examiner“ ausgewertet werden. Mit Sicherheit kann man aus diesen Tests viele Merkmale einer Person ablesen. Ob diese eine Lüge erzählt hat, ist meist nur als Beweismittel vor Gericht zweifelhaft. Ob die Vorgesetzten oder das Personalbüro die Ergebnisse dieser Tests für voll nehmen, bleibt ihnen überlassen. In der Regel helfen Polygraph und Gespräch selten um Beziehung zu Partner oder Firma zu erörtern. Diese Praxis ist eher in den USA und selten in Deutschland anzutreffen.

In Deutschland handelt es sich bei der Anwendung vom Lügendetektor und Auswertender eher um eine Seltenheit. In der Regel werden die Beschuldigten vor Gericht befragt und Beweise vorgelegt. Ob ein Test am Lügendetektor die beste und zuverlässigste Form von Feedback über eine Testperson ist, bleibt dahin gestellt. Es ist auf jeden Fall eine Möglichkeit im Dienste der Wissenschaft und des Rechts Informationen zu erheben.
Wie diese dann weiter verwendet wird, ist den Gerichten bzw. den Firmen, die diese Auswertungen anfordern überlassen. Um Testpersonen keine Tipps zu geben, werden also so wenig Informationen wie möglich über den Einsatz von Lügendetektoren veröffentlicht. Natürlich auch Infos darüber wie selten oder oft Personen bestimmte Fragen wahrheitsgetreu beantworten oder nicht. Nicht erst seit 2009 stellen sich Psychologen diese Fragen.

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